Licht und Schatten

Licht und Schatten

𝗟𝗶𝗰𝗵𝘁 𝘂𝗻𝗱 𝗦𝗰𝗵𝗮𝘁𝘁𝗲𝗻 Ein 62-jähriger migrantischer Mann, 20 Jahre arbeitslos, hin- und hergeschoben, in PC-Bewerbungstrainings gesteckt, jetzt bei mir im Coaching. Wir analysieren. Er möchte LKW fahren, hat den Führerschein. Vorrausetzungen für eine Stelle: eine Fahrerkarte und eine Fortbildung in den 5 Modulen mit der Schlüsselzahl 95. Die Fahrerkarte kostet 57 €. Er bekommt die Kosten dafür nicht erstattet, weil er sie nicht vorher beantragt hat. Dabei bekommt er Stellenvorschläge als LKW-Fahrer. Interessiert das Jobcenter nicht - Vorschrift ist Vorschrift. Die Module kosten um die 650 €, wenn er sie auf einmal macht. Wir beantragen die Kotenübernahme vorher. Kann er nicht entscheiden, der Fallmanager. Sein Chef lehnt ab. Er möge eine Einstellungszusage bringen, dann darf er die Vorrausetzungen für den Job erlernen. Ich schreibe als Jobcoach eine Mail. Erkläre die Umstände, erkläre den Arbeitsmarkt, der dringend LKW-Fahrende sucht, erkläre, dass er Vermittlungsvorschläge als LKW-Fahrer bekommt, erkläre, dass er ohne die Vorrausetzungen keine Stelle bekommt. Die Vorstellung, dass er eine Einstellungszusage bekommt und sie dann erst genehmigen, erkläre ich für illusorisch - das macht praktisch niemand mehr. Der Abteilungsleiter stimmt doch zu, aber er kann es nicht entscheiden. Er muss das an die Arbeitsagentur weitergeben. Dort kann man entscheiden. Die rufen ihn an und sprechen mit ihm. Bis die anruft, sind weitere 10 Tage ins Land gegangen. Er bekommt die Formulare zugeschickt. Wir werden sie ausfüllen, er wird die Fortbildung machen und dann einen Job finden. Das, was ich gemacht habe, das hätte in den 20 Jahren jede*r Mitarbeiternde machen können, die*der mit ihm zu tun hatte. Auch die Bewerbungscoaches in PC-Kursen, auch wenn sie für sowas mittelbar nicht zuständig sind. Ich bin auch nicht zuständig, ich soll einen Job finden. Dass ich dafür sorgen muss, dass das Jobcenter ihm das überhaupt ermöglicht, ich das dort durchsetzen muss, steht eigentlich nicht auf dem Plan. Und das, wo sie ihm genau dafür Vermittlungsvorschläge zuschicken. In jedem steht drin: Fahrerkarte, Module. Ich hab sie alle gelesen. Ein Wunder, dass Menschen aufgeben, wenn sie Stellen suchen? Nein, finde ich nicht. Warum die Vermittlungsquote der Jobcenter so schlecht ist? Weil zu viele Menschen nicht entscheiden dürfen, nicht entscheiden wollen, weil niemand verantwortlich sein möchte und kein*e Einzige*r über den Tellerrand blicken möchte. Ich bin nicht der Einzige, der so agiert, der das anders macht, der über den Tellerrand blicken kann. Aber allzu viele sind wir leider auch nicht. Aber deshalb mach ich es ja. Link auf meine Webseite mit Terminbuchung für ein kostenfreies Erstgespräch im Profil. (Image by Muhammad Rehman from Pixabay)

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