Es ist gang und gäbe, dass Unternehmen auf Bewerbungen nicht antworten. Nicht absagen, der Prozess länger läuft, als angekündigt, Zusagen wie "wir melden uns in zwei Wochen" nicht eingehalten werden.
LinkedIn ist voll von Berichten von Bewerber*innen, die sowas erleben. Von Jobcoaches und von Vermittler*innen, die ebenfalls darüber schimpfen. Mit Recht, das ist keine Art und Weise.
Aber ändert sich was, wenn das Internet darüber vollgeschrieben wird?
Vermutlich nicht. Man lässt Dampf ab, bekommt Zustimmung und eventuell auch ein paar Ratschläge.
Aber wieso erkundigt man sich nicht? Wieso fragt niemand nach? Wieso leistet man sich im Bewerbungsprozess den Luxus abzuwarten, bis sich das Gegenüber meldet?
Ein Bewerbungsprozess ist ein Verkaufsprozess. Es gibt ein Produkt, das ist man selbst und es gibt jemand, der das kaufen soll - ein potentieller Arbeitgeber. Der hat gesagt: ich möchte kaufen. Daraufhin melden sich viele Leute, die das, was er hat, mehr oder minder passend, zu verkaufen haben.
Wenn man das Angebot abgegen hat - was macht man dann? Wartet man ab? Oder hakt man nach? Jede*r Vertriebler*in für Produkt XYZ hier würde wohl dasselbe sagen: man gibt keine Ruhe, bis man eine klare Antwort hat.
Wenn mir also ein Arbeitgeber sagt: ich melde mich bis in 14 Tagen - und die 14 Tage sind rum - dann ruf ich an. Ich schicke keine Mail, die man beantwprten kann oder nicht. Ich rufe an. Frage nach. Bitte um Auskunft. Freundlich, verbindlich. Bis ich am Ende weiß: sie nehmen mich oder nehmen mich nicht. Ich zeige, vom Lesen der Stellenanzeige bis zur Absage oder zur Vertragsunterzeichnung, dass ich die Stelle wirklich möchte. Ich interessiert bin. Sie mir wichtig ist.
Und manchmal macht genau das den Unterschied zu allen anderen Bewerber*innen. Wer nicht nachfragt, riskiert, dass er*sie vergessen wird, verpasst eine Chance, sich hervorzuheben aus der Masse, auf sich aufmerksam zu machen.
Ich habe mehr als einmal in den mehr als 10 Jahren erlebt, dass Kommunikation der Schlüssel ist. Persönlicher Kontakt, dazu gehört auch ein Telefonat, besser wirkt als eine Mail. Alles, was man anders macht als andere, ist auch in diesem Prozess wirksam.
Sich bewerben heißt: sich verkaufen. Man ist ein Produkt und für dieses Produkt braucht es eine Verpackung - das sind die Bewerbungsunterlagen, das Outfit beim Vorstellungsgespräch, Sprache usw. - und einen Inhalt. Und einen Kommunikationsprozess. Den man mit gestalten kann und nicht nur über sich ergehen lassen muss.
